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Image by Stefan Cosma

Was der Wald uns gibt: Die Hagebutte – ein kleines rotes Wunder am Wegesrand

vor 5 Tagen
8 Min. Lesezeit

Warum wir an den kleinen roten Früchten im Herbst nicht einfach vorbeigehen sollten. Und wie daraus eine köstliche Hagebuttenmarmelade wird.


Rote Hagebutten im Herbst – heimische Wildfrüchte am Waldrand

Es gibt diese Tage im Herbst, an denen man das Gefühl hat, der Wald würde sich langsam auf den Winter vorbereiten. Die Blätter fallen, morgens liegt Nebel zwischen den Bäumen und die Farben werden von Woche zu Woche ein bisschen zurückhaltender. Nur hier und da leuchtet noch etwas zwischen den kahlen Zweigen hervor.

Kleine, kräftig rote Früchte, manchmal einzeln, manchmal gleich eine ganze Handvoll an einem Strauch. Die meisten von uns kennen sie seit ihrer Kindheit. Wir haben sie bestimmt schon hundertmal gesehen, vielleicht sogar damit gespielt. Aber wann haben wir uns eigentlich das letzte Mal eine Hagebutte genauer angeschaut?

Dabei gibt es über diese unscheinbaren Früchte erstaunlich viel zu erzählen.

Und das Beste daran: Am Ende unserer kleinen Entdeckungsreise nehmen wir sie sogar mit in die Küche.


Eine Rose, die ihre schönsten Seiten erst im Herbst zeigt

Was viele nicht wissen: Die Hagebutte gehört zur Rose.

Genauer gesagt sind Hagebutten die Früchte verschiedener Wildrosenarten. Eine der bekanntesten ist die Hundsrose, die auch bei uns in Deutschland weit verbreitet ist.

Im Frühsommer trägt sie zarte, meist hellrosa Blüten. Sie duften nur leicht, sind aber eine wichtige Nahrungsquelle für zahlreiche Insekten. Wenn die Blüten verblüht sind, beginnt etwas, das wir oft gar nicht mehr beachten.

Aus ihnen entwickeln sich langsam die Hagebutten. Zunächst sind sie grün und ziemlich unauffällig. Erst im Laufe des Sommers färben sie sich orange und schließlich rot. Wenn die meisten anderen Pflanzen ihre Farben bereits verlieren, haben die Hagebutten ihren großen Auftritt. Und jetzt wird es botanisch interessant.


Was wir als rote Frucht wahrnehmen, ist eigentlich ein fleischig gewordener Blütenbecher. Die wirklichen Früchte sitzen im Inneren: kleine, harte Nüsschen, die von feinen Härchen umgeben sind. Deshalb bezeichnen Botaniker die Hagebutte als Sammelnussfrucht.

Ein ziemlich komplizierter Name für etwas, das so selbstverständlich am Wegesrand wächst.


Erinnert Ihr Euch noch an das Juckpulver?


Aufgeschnittene Hagebutte mit Kernen und feinen Härchen im Inneren

Wer als Kind viel draußen unterwegs war, kennt vielleicht noch eine ganz andere Verwendung der Hagebutte. Man schnitt die Früchte auf, holte die kleinen Härchen heraus und hatte plötzlich das perfekte Material für einen ziemlich gemeinen Kinderstreich.

Juckpulver!

Was damals für großes Gelächter sorgte, hat einen ganz einfachen Hintergrund: Die feinen Härchen im Inneren der Hagebutte können Haut und Schleimhäute reizen.

Und genau deshalb spielen sie auch bei der Verarbeitung eine wichtige Rolle. Wer aus Hagebutten Marmelade machen möchte, muss dafür sorgen, dass weder die harten Nüsschen noch die reizenden Härchen im fertigen Fruchtmus landen.

Aber keine Sorge. Ihr müsst dafür nicht stundenlang jede einzelne Frucht mit einem kleinen Löffel auskratzen.

Wie es einfacher geht, verraten wir Euch gleich.


Was steckt eigentlich in diesen kleinen roten Früchten?

Dass Hagebutten essbar sind, wissen viele. Dass sie ernährungsphysiologisch einiges zu bieten haben, ist dagegen weniger bekannt.

Besonders bemerkenswert ist ihr Vitamin-C-Gehalt. Je nach Wildrosenart, Standort, Reifegrad und Verarbeitung können Hagebutten außergewöhnlich viel davon enthalten.

Vitamin C trägt unter anderem zur normalen Funktion unseres Immunsystems bei. Gerade deshalb wurden Hagebutten früher als wertvolle Ergänzung der Ernährung geschätzt, insbesondere in Zeiten, in denen frisches Obst und Gemüse nicht das ganze Jahr über verfügbar waren.

Aber Vitamin C ist längst nicht alles.

Die kräftige rote Farbe verdanken viele Hagebutten unter anderem Pflanzenfarbstoffen aus der Gruppe der Carotinoide. Dazu kommen verschiedene Polyphenole, Fruchtsäuren und Pektin, ein pflanzlicher Ballaststoff, den wir übrigens auch aus Äpfeln kennen.

All diese Inhaltsstoffe machen die Hagebutte zu einer interessanten heimischen Wildfrucht.

Allerdings möchten wir mit einem verbreiteten Missverständnis aufräumen: Nur weil eine Frucht viele wertvolle Inhaltsstoffe enthält, ist sie noch lange kein Wundermittel gegen Erkältungen oder andere Krankheiten.

Und beim Kochen geht ein Teil des hitzeempfindlichen Vitamin C verloren.

Unsere Hagebuttenmarmelade wird deshalb auch kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung.

Aber sie wird ziemlich lecker. Und das ist schließlich auch etwas wert.


Warum die Hagebutte den ersten Frost nicht braucht


Reife Hagebutten mit leichtem Frost an einem Wildrosenstrauch

Vielleicht habt Ihr schon einmal gehört, dass man Hagebutten erst nach dem ersten Frost sammeln soll. Diese Empfehlung hält sich hartnäckig, und sie hat durchaus einen nachvollziehbaren Hintergrund.

Mit zunehmender Reife und nach Frost werden viele Hagebutten weicher. Das kann die Verarbeitung erleichtern und den Geschmack verändern.

Notwendig ist Frost für die Ernte allerdings nicht.

Wenn die Früchte vollständig ausgefärbt, reif und noch fest sind, lassen sie sich bereits im Herbst sammeln. Für unsere Marmelade ist das sogar ausgesprochen praktisch, weil sich feste, gesunde Früchte gut verlesen und verarbeiten lassen.

Die beste Erntezeit liegt je nach Art und Witterung häufig zwischen September und November. Manche Hagebutten bleiben sogar weit bis in den Winter hinein an den Sträuchern hängen.

Und das ist keineswegs ein Zufall der Natur.


Warum wir nicht alle Hagebutten pflücken sollten

Während wir Menschen darüber nachdenken, was sich aus den roten Früchten alles zubereiten lässt, haben andere Waldbewohner ganz eigene Pläne damit.

Für verschiedene Vögel, darunter Amseln und Drosseln, sind Hagebutten eine willkommene Nahrungsquelle.

Gerade im Winter, wenn das Nahrungsangebot knapper wird, können die Früchte an den Sträuchern besonders wertvoll sein.

Auch die dichten, oft stacheligen Zweige der Wildrosen erfüllen eine wichtige Aufgabe. Sie bieten kleinen Tieren Schutz und zahlreichen Vögeln geeignete Rückzugsmöglichkeiten.

Wenn Ihr also beim nächsten Spaziergang einen Strauch voller Hagebutten entdeckt, denkt daran, dass Ihr möglicherweise gerade vor einer kleinen Vorratskammer der Natur steht.

Deshalb finden wir: Wer Hagebutten sammelt, sollte immer nur einen Teil mitnehmen.

Ein paar für uns. Und genügend für diejenigen, die auch im Winter draußen bleiben.


Hagebutten sammeln: Worauf Ihr achten solltet

Vielleicht habt Ihr inzwischen Lust bekommen, selbst einmal Hagebutten zu sammeln.

Dann lohnt es sich, ein paar Dinge zu beachten.

Wildrosen wachsen häufig an Waldrändern, entlang von Hecken, auf sonnigen Böschungen und an Feldwegen. Ihr müsst also nicht unbedingt tief in den Thüringer Wald hineinlaufen, um welche zu entdecken.

Sucht Euch einen sauberen Standort abseits stark befahrener Straßen und behandelt die Sträucher vorsichtig. Ihre Stacheln können ziemlich unangenehm sein, weshalb feste Handschuhe durchaus sinnvoll sind.

Nehmt nur Früchte mit, die Ihr sicher einer geeigneten Wildrose zuordnen könnt. Reife Hagebutten sind meist kräftig rot bis orange gefärbt. Schimmelige, faulige oder deutlich beschädigte Exemplare gehören nicht in den Sammelkorb.

Und natürlich gelten auch beim Sammeln Regeln: In Deutschland dürfen wild wachsende Früchte außerhalb geschützter Bereiche grundsätzlich nur in kleinen Mengen für den persönlichen Bedarf und dort gesammelt werden, wo das Betreten und Entnehmen erlaubt ist.

Wer sich unsicher ist, lässt die Früchte lieber hängen.

Schließlich soll unser Spaziergang durch den Wald Freude machen und nicht mit Ärger enden.


Frisch gesammelte Hagebutten mit Herbstlaub in einem Weidenkorb

Aus unserer Waldküche: Selbstgemachte Hagebuttenmarmelade

Es gibt Dinge, die schmecken selbst gemacht einfach besonders gut.

Hagebuttenmarmelade gehört für uns dazu.

Sie hat einen fruchtigen, leicht säuerlichen Geschmack, eine wunderschöne Farbe und etwas angenehm Ursprüngliches. Vielleicht liegt es daran, dass man sich die Früchte nicht einfach aus dem Supermarktregal nimmt, sondern vorher draußen unterwegs war.

Und vielleicht schmeckt das Frühstücksbrötchen am nächsten Morgen gerade deshalb noch ein bisschen besser.

Wir möchten Euch eine möglichst unkomplizierte Variante zeigen, bei der der Geschmack der Hagebutten im Mittelpunkt bleibt.


Das Besondere an unserem Rezept: Ihr müsst die Früchte nicht einzeln entkernen.

Die Zutaten

Für ungefähr drei bis vier kleine Gläser, abhängig von der gewonnenen Musmenge:

  • 1 kg reife Hagebutten

  • etwa 500–700 ml Wasser zum Weichkochen, bei Bedarf etwas mehr

  • Gelierzucker 2:1, entsprechend der tatsächlich gewonnenen Musmenge

  • 1–2 EL Zitronensaft


Wichtig beim Gelierzucker: Auf 500 g fertiges Hagebuttenmus kommen 250 g Gelierzucker 2:1. Wiegt das Mus deshalb unbedingt erst nach dem Passieren ab.


Schritt 1: Die Hagebutten vorbereiten

Wascht die gesammelten Früchte gründlich und entfernt Stiele sowie die dunklen Blütenreste.

Sortiert dabei alle Früchte aus, die beschädigt oder verdorben sind.

Ihr könnt die Hagebutten anschließend ganz lassen. Das spart eine Menge Arbeit.


Schritt 2: Die Früchte weich kochen

Gebt die vorbereiteten Hagebutten zusammen mit dem Wasser in einen ausreichend großen Topf. Bringt alles zum Kochen und lasst die Früchte anschließend bei mittlerer Hitze ungefähr 30 bis 45 Minuten köcheln.

Je nach Sorte und Reifegrad kann es auch etwas länger dauern.

Die Hagebutten sollten am Ende so weich sein, dass sie sich mit einem Löffel leicht zerdrücken lassen. Falls die Masse während des Kochens zu dick wird, gebt einfach etwas Wasser dazu.


Schritt 3: Jetzt kommt die Flotte Lotte zum Einsatz

Das ist der wichtigste Arbeitsschritt.

Gebt die weich gekochten Hagebutten portionsweise durch eine Passiermühle mit möglichst feiner Scheibe. Dabei trennt Ihr das Fruchtfleisch von einem Großteil der Kerne und Härchen.

Anschließend streicht Ihr das gewonnene Mus noch einmal durch ein sehr feines Sieb.

Dieser zweite Durchgang ist wichtig, damit möglichst keine reizenden Härchen im fertigen Fruchtaufstrich zurückbleiben. Kontrolliert das Mus sorgfältig; wenn sich die Härchen nicht zuverlässig entfernen lassen, solltet Ihr es nicht verwenden.


Das Ergebnis sollte ein möglichst glattes, samtiges Hagebuttenmus sein.

Es darf ruhig etwas dickflüssig sein. Sollte es sich kaum durch das Sieb streichen lassen, könnt Ihr mit wenig heißem Wasser nachhelfen.


Schritt 4: Aus Hagebuttenmus wird Marmelade

Wiegt nun das fertige Mus ab.

Gebt es zusammen mit der passenden Menge Gelierzucker 2:1 und dem Zitronensaft zurück in einen sauberen Topf. Rührt alles gründlich durch und bringt die Masse unter ständigem Rühren zum sprudelnden Kochen. Haltet Euch bei der Kochzeit an die Angaben auf der Gelierzuckerpackung. Meist sind es ungefähr vier Minuten.

Anschließend macht Ihr eine Gelierprobe: Gebt einen kleinen Klecks auf einen kalten Teller. Wird er beim Abkühlen fest genug, ist die Marmelade fertig.


Schritt 5: Ab ins Glas

Füllt die heiße Marmelade sofort in sorgfältig gereinigte, hitzebeständige und möglichst sterilisierte Gläser. Verschließt sie unmittelbar und lasst sie abkühlen.

Lagert die Gläser kühl und dunkel. Kontrolliert vor dem Verzehr, ob der Verschluss noch dicht ist und ob es Anzeichen von Verderb gibt. Geöffnete Gläser gehören in den Kühlschrank und sollten zügig verbraucht werden.

Und dann? Am besten wartet schon ein frisches Brötchen.


Unser Tipp aus der Waldküche

Hagebuttenmarmelade schmeckt nicht nur auf Brot oder Brötchen.

Probiert sie ruhig einmal zu kräftigem Käse oder als fruchtige Begleitung zu einem herzhaften Gericht. Ihre feine Säure kann einen schönen Kontrast zu würzigen Aromen bilden.

Und falls Euch die Herstellung etwas aufwendig erscheint: Das eigentliche Marmeladekochen ist schnell erledigt. Die meiste Arbeit steckt darin, ein wirklich feines Fruchtmus herzustellen.

Aber genau das gehört bei Hagebutten eben dazu.


Fragen, die uns zur Hagebutte immer wieder begegnen

Kann man Hagebutten roh essen?

Ja, das Fruchtfleisch sicher bestimmter, reifer Wildrosen-Hagebutten kann auch roh gegessen werden. Die harten Nüsschen und vor allem die reizenden Härchen im Inneren sollten dabei jedoch nicht mitgegessen werden. Voraussetzung ist immer eine sichere Bestimmung der Pflanze.

Wann sind Hagebutten reif?

Je nach Wildrosenart und Witterung reifen Hagebutten meist ab dem Spätsommer bis in den Herbst. Vollreife Früchte erkennt Ihr häufig an ihrer kräftigen roten oder orangefarbenen Färbung. Für Marmelade eignen sich besonders gesunde, vollständig ausgereifte Früchte.

Nein. Frost ist keine Voraussetzung, um Hagebutten zu ernten oder Marmelade daraus zu kochen. Er kann die Früchte allerdings weicher machen. Auch vor dem ersten Frost geerntete, reife Hagebutten lassen sich gut verarbeiten.

Hagebutten sind erstaunlich vielseitig. Aus den Früchten lassen sich zum Beispiel Mus, Gelee, Sirup, Soßen oder Chutneys herstellen. Getrocknete Hagebutten werden außerdem gerne für Tee verwendet. Wichtig ist bei der Verarbeitung immer, die feinen reizenden Härchen im Inneren zuverlässig zu entfernen. So lohnt es sich durchaus, beim nächsten Herbstspaziergang ein paar Hagebutten mit anderen Augen anzuschauen – aus den kleinen roten Früchten lässt sich deutlich mehr machen, als man zunächst vermuten würde.

Und beim nächsten Spaziergang?

Vielleicht geht Ihr in den kommenden Tagen wieder durch den Wald. Vielleicht ist es ein sonniger Herbstnachmittag, vielleicht hängt Nebel zwischen den Bäumen und das Laub raschelt unter Euren Schuhen.

Irgendwo am Wegesrand steht dann möglicherweise ein Wildrosenstrauch.

Mit kleinen roten Früchten, die Ihr schon unzählige Male gesehen habt.

Nur dass Ihr jetzt ein bisschen mehr über sie wisst.

Ihr kennt ihre Geschichte, wisst, was sich in ihrem Inneren verbirgt und warum sie für manche Tiere im Winter so wichtig sind. Vielleicht erinnert Ihr Euch an das Juckpulver aus Kindertagen oder bekommt sogar Lust, selbst einmal ein Glas Hagebuttenmarmelade zu kochen.

Und vielleicht bleibt Ihr diesmal einfach einen Moment länger stehen.

Denn genau das möchten wir Euch mit unserer neuen Reihe „Was der Wald uns gibt“ zeigen.

Man muss nicht immer weit gehen, um etwas Besonderes zu entdecken. Manchmal reicht es, die Dinge, die direkt vor unserer Haustür wachsen, mit anderen Augen zu betrachten.

Wir wünschen Euch viel Freude beim Entdecken.


Eure Gastgeber aus dem Waldhotel Ehrental

Zeit für Wald – Zu Gast bei Freunden.


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